Heimatverein

Meisdorf e.V.

Meisdorf im Wandel der Zeit

Vor- und Frühgeschichte

Bereits in der Altsteinzeit haben Menschen ihre Spuren in unserer Heimat hinterlassen: ,,Für die Anwesenheit des Menschen im Gebiet des Ost- und Nordharzes schon vor ca. 200 000 Jahren gibt es Zeugnisse in den Rübeländer Höhlen. Es ist die Zeit des 'Neandertal-Menschen' und des Mammut." (BINNER, R., 1980)
Bei Königsaue auf dem Bruchsberg (infolge des Braunkohlenbergbaus abgebaggert) hatten altsteinzeitliche Jägergruppen, bestehend aus 20-30 Mitgliedern, vor mehr als 55000 Jahren ihr Jagdlager in dreimaliger Folge aufgestellt. (Chronik der Gemeinde Frose). Es liegt nahe, dass diese Jägergruppen auch in unserem Gebiet gejagt haben.
Aus der Mittelsteinzeit (etwa 10.000 bis 6.000 v. Chr.) sind keine Funde bekannt. Wahrscheinlich waren die wenigen hier lebenden Menschen der letzten Eiszeit ausgewichen bzw. wurden durch sie vertrieben und eine Neubesiedelung war noch nicht erfolgt. Dagegen haben wir aus der Jungsteinzeit (etwa 6.000 bis 1.800 v. Chr.) reichliches Fundmaterial aufzuweisen. In der ehemaligen Mergelgrube am nördlichen Ausgang des Ortes hinter dem Sauerbach wurden Pfriemen, zahlreiche Scherben dieser Zeit, Facettenäxte, eine Steinkeule, Tierknochen und sogar eine Geweihhacke gefunden.

Die Besiedlung erfolgte aus dem Harzvorlande. Von hier drangen die Menschen talaufwärts der abfließenden Bäche (auch der Selke) in den Vorharz ein. Sie kultivierten die wenig bewaldeten Lößterrassen neben den Flussläufen und wurden sesshaft. Aus den einstigen Jägern und Sammlern wurden Ackerbauer und Viehzüchter.
Auch aus der Bronzezeit (etwa 1.800 bis 700 v. Chr.) und der folgenden Eisenzeit (etwa 700 v. Chr.) gibt es viele Funde und sogar Bauwerke (heute Bodendenkmäler). Über den Fund einer Kette berichtet Pastor Carl Heinrich August Münchhoff folgendes:
,,Ein hiesiger Ackermann namens Kühne hat schon im J. 1801 auf seinem Ackerstück, welches auf dem so genannten 'Haasen-Thale', einer gegen Norden nahe bei Meisdorf befindlichen Anhöhe liegt, eine größere aus Thon geformte, runde, in der Mitte gegen 12 Zoll weite und nach oben verengende, mit einem Deckel versehene Urne beim Pflügen gefunden, die er aber, nachdem er den Inhalt untersucht hatte und darin mehrere, etwa 4 ZolI lange sehr dünne mit Asche vermischte Knochen, die beim Niederfallen wie Glas klangen und von einer weißgraulichen Farbe waren, gefunden, wieder in die Erde vergraben hat.... In der Nähe der oben beschriebenen größeren Urne fand derselbe Ackersmann zu derselben Zeit auch eine aus einem rötlichen Metalle verfertigte Kette von einer solchen Härte, dass sie der feinsten und schärfsten Feile widerstand. Diese Kette war von einer ganz besonderen Art. An einem Ende befand sich ein etwa 4 Zoll langer Haken; dann folgten mehrere auf besondere Art gearbeitete Glieder, an deren Ende eine ziemlich starke länglich gearbeitete Kugel befand, die wiederum durch eine kleinere Kette, deren 3 oder 4 Gelenke die Breite eines Strohhalmes hatten. mit 4 kleineren, zusammenhängenden Kugeln verbunden war. Die Kette, deren ganze Länge vielleicht eine Elle betrug, soll nach Berlin gekommen sein." 1MÜNCH-HOFF, C.H.A., 1828). Des Weiteren berichtet er 1851 vom Fund einer Urne aus einer, 'Metallcomposition'. Darin befand sich ein spiralförmig zusammengebogenes Schwert, ein langer vierschneidiger Speer und darauf der Deckel einer Sturmhaube. Neben diesen Beschreibungen belegen einzelne Gefäße und zahlreiche Gefäßreste von Schalen, Töpfen, Tassen, verzierten Situlen (z.B. Bronzesitula, donaukeltisch im Museum für Vorgeschichte Berlin, - Fundort Meisdorf) sowie eine stark verrostete Eisenlanzspitze mit Resten des Schaftes (alles aus der ehemaligen Mergelgrube), dass diese Siedlung bis zur Völkerwanderungszeit bewohnt war. Außerdem wurden in der Mergelgrube zahlreiche Wohngruben entdeckt, in denen Tierknochen, jeweils ein Gusskuchen aus Bronze bzw. Eisen, eine Mühle mit Ober- und Unterteil sowie eine Granitunterlage mit flacher Höhlung geborgen wurden.

,,Ein großes Gräberfeld mit reichlichen Grabbeigaben ist um die Zeitwende auf dem Osterberg angelegt worden. Zu dieser Begräbnisstätte muss eine bedeutende germanische Siedlung gehört haben. Zum Schutz gegen kriegerische Überfälle wurden die Siedlungen der Feldbauern mit Wall und Graben befestigt sowie Höhensiedlungen errichtet. Einen solche Befestigung und Höhensiedlung hat auf dem Goldberg – 1 km südöstlich von Meisdorf – bestanden. P. GRIMM vermutete, dass diese in der jüngeren Bronzezeit und frühen Eisenzeit besiedelt war. (CHRONIK DER GEMEINDE MEISDORF, 1984)